Wann macht eine Diagnose «Hochbegabung» Sinn? Von Chancen und Risiken in der Anwendung eines Modebegriffs

Saturday, 16.9.2017 11.00 ‒11.45 Uhr

Studiensaal B

Dr. Letizia Gauck ‒ Leiterin des Zentrums für Entwicklungs- und Persönlichkeitsdiagnostik (ZEPD), Universität Basel
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Diagnosen sind Zuschreibungen, die Vor- und Nachteile haben. Begriffe wie «Hochbegabung» sind unscharf definitiert und lösen unterschiedliche Assoziationen aus, oft auch Vorurteile. Noch schwerwiegender für eine diagnostizierte Person als das mögliche soziale Stigma («Streber») ist es, wenn die Person und/oder ihr Umfeld die «Hochbegabung» für ein unveränderbares Persönlichkeitsmerkmal hält, das automatisch zu Erfolg führt («fixed mindset» nach Carol Dweck). Es stellt sich die Frage, in welchen Situationen dennoch die Vorteile einer Diagnose «Hochbegabung» überwiegen können, wie diese Diagnose gestellt und wie sie so kommuniziert werden kann, dass Missverständnisse vermieden werden. Im Fokus stehen Menschen, die ihre Potenziale (noch) nicht in Leistung umsetzen können, z. B. weil sie neben grossen Stärken auch deutliche Schwächen aufweisen. Anhand der Literatur zu solch «doppelt auffälligen» Menschen und zu begabten Menschen mit Migrationshintergrund sowie anhand konkreter Fallbeispiele wird diskutiert, welche Formen pädagogisch-psychologischer Diagnostik aktuell bei der Förderung dieser Gruppen helfen können.