Die Themenfelder

Begabungsförderung ist zu einem Qualitätsmerkmal von Schulen geworden. Durch das Anerkennen der Heterogenität der Lernenden und deren unterschiedlichen Potenziale und Lernvoraussetzungen haben sich die Lernorganisation, der Unterricht und die Lernmethoden vielerorts verändert. Differenzierende Lernarrangements tragen unterschiedlichen Zugangsweisen, individuellen Lernzeitbedürfnissen und Möglichkeiten der Vertiefung sowie den subjektiven Stärken und Schwächen der Lernenden Rechnung. Begabungs- und Begabtenförderung ist deshalb grundsätzlich Schul- und Unterrichtsentwicklung. Sie betrifft die Begabungen aller Schülerinnen und Schüler auf allen Leistungsniveaus ebenso wie diejenigen der Lernenden mit überdurchschnittlichen Leistungspotenzialen und deren besonderen Bedürfnissen. Personalisiertes Lernen und Individualisierung innerhalb einer lernenden Gemeinschaft stellen hohe Anforderungen an Lernende und Lehrende. Die Kongressfelder nehmen die zentralen Aspekte dieser aktuellen Schulentwicklung auf.

Themenfeld A: Begabungsfördernde Schulen

Begabungsförderung findet sowohl innerhalb des Unterrichts wie auch klassenübergreifend in ergänzenden Lernformaten statt. Förderkonzepte wie das «Schoolwide Enrichment Model» und ausgewählte Workshops zeigen Möglichkeiten, wie integrative Förderung in der Stammklasse sich mit ergänzenden Bildungsangeboten (in und ausserhalb der Schule) verbindet. Sie zeigen darüber hinaus Wege zur Flexibilisierung von Lernstrukturen und Bildungsverläufen und zu einer auf Anerkennung von (Hoch-)Leistung ausgerichteten Schul-, Lehr- und Lernkultur.

Themenfeld B: Unentdeckte Begabungen

Nicht alle Begabungen sind offensichtlich. Sei dies, weil Kinder und Jugendliche nicht in der Gruppe auffallen wollen, aufgrund eines geringen Selbstvertrauens oder aufgrund vorangehender Lernerlebnisse. Zahlreich ist die Gruppe in der Schule unerkannter und nicht geförderter «Begabter»: Minderleister, Fremdsprachige, soziokulturelle benachteiligte «Bildungsferne», Migranten. Nach wie vor weist die Forschung (2016, Schweiz) eine Geschlechterbenachteiligung aus. Zum Erkennen von Begabungen benötigen Lehrpersonen Kenntnisse und Instrumente.

Themenfeld C: Begabung in Leistung umsetzen

Ob Begabungspotenziale in Leistungen umgesetzt werden, ist abhängig von den Lerneinstellungen, dem Selbstbild und der Volition der Lernenden selbst. Begabungsförderung umfasst deshalb nicht nur die Stimulation erweiterter Lerninhalte und Fähigkeiten. Sie beinhaltet auch die Vermittlung anspruchsvoller Lern- und Denkstrategien, co-kognitiver und exekutiver Kompetenzen, den Aufbau hoher Leistungsmotivation sowie die individuelle Lernberatung und das Mentoring der Lernenden als Person mit ihren speziellen Möglichkeiten und Bedürfnissen.

Themenfeld D: Anerkennungskultur

Entwicklung von Begabungen setzt voraus, dass individuelle Leistungen wahrgenommen werden und Resonanz erfahren. Eine erweiterte Leistungsbewertung (an-)erkennt auch individuelle Leistungen, die sich nicht an einer Durchschnittsnorm orientieren. Portfolios, Lernjournale und Kompetenzraster zusammen mit Lerngesprächen leisten einen Beitrag zur individualisierten Leistungsbewertung. Darüber hinaus ist der Aufbau sozialer Anerkennung von Leistungen und einer positiven Leistungskultur innerhalb von Klassen und Schulen von hoher Wichtigkeit. Überlegungen zu Anreiz- und Belohnungsstrukturen sind bedenkenswert.

Themenfeld E: Leistungsdifferenzierende Lernarrangements

Im Regelunterricht ermöglichen differenzierende Lernarchitekturen individuelle Lernpfade der Schülerinnen und Schüler. Die Lernenden schliessen an ihren jeweiligen Voraussetzungen an und lernen in ihrer «Zone nächster Entwicklung». Dabei wird fachspezifisches mit überfachlichem Lernen und mit der Entwicklung personaler und sozialer Kompetenzen verbunden. Der Grad der individuellen Vertiefung variiert nach den Fähigkeiten der Lernenden; dies bedingt auch individuelle Lernzielvereinbarungen. In der lernenden Gemeinschaft nehmen kooperatives Lernen und die gegenseitige Unterstützung der Lernenden im Peer Tutoring eine wichtige Rolle ein.

Themenfeld F: Förderung durch Mentorinnen und Mentoren

Eine effektive Form der Begabtenförderung ist die Förderung durch Mentorinnen und Mentoren. Diese sind Expertinnen und Experten in ihren Domänen. Sie können sowohl Lehrpersonen mit Expertise als auch ausserschulische Fachpersonen sein. Mentoring kann das Lernen auf der Primarschule mit einer Fachperson der Bienenzucht oder des Gewässerschutzes ebenso beinhalten wie die Mitarbeit einer Gymnasiastin im Forschungslabor oder die Zusammenarbeit mit einer Schriftstellerin. Schule kann nicht alles leisten. Die Kooperation mit ausserschulischen Lernorten und Fachpersonen erweitert das Spektrum der Begabtenförderung. Mentoring gilt als «Gold-Standard der Begabtenförderung».

Zusätzlich zu diesen Themenfeldern werden zwei Schwerpunkte angeboten.

Forum G: Forum der Schul- und Bildungsverantwortlichen

Input durch ausgewiesene Experten und Austausch von Schulleitungsmitgliedern und Bildungsverantwortlichen. Dabei stehen sowohl Aspekte der konkreten Schulentwicklung zur Diskussion als auch Fragen der bildungspolitischen Rahmenbedingungen und Möglichkeiten der Umsetzung der Begabungs-/Begabtenförderung.

Forum H : Begabtenförderung an Hochschulen

Im Jahr 2016 wurde das Europäische Netzwerk für «Honors Programs» gegründet. Dieses setzt sich ein für die Begabtenförderung an Hochschulen, die sehr unterschiedlich wahrgenommen wird. Im Forum werden Modelle und Entwicklungen der Hochschulförderung aus dem In- und Ausland diskutiert.