Hauptreferate 2017

Strategien Selbstregulierten Lernens in der individuellen Begabungsförderung

Prof. Dr. Christian Fischer ‒ Professor für Erziehungswissenschaft, Universität Münster/Internationales Centrum für Begabungsforschung
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In der individuellen Begabungs- und Begabtenförderung gewinnen gerade im schulischen Kontext spezielle Formen des selbstregulierten forschenden Lernens vor dem Hintergrund hoher kognitiver und metakognitiver Potenziale begabter Kinder und Jugendlicher zunehmend an Relevanz. Die erfolgreiche Umsetzung setzt passende Strategien des selbstregulierten forschenden Lernens voraus, wobei vor allem begabte Underachiever bzw. talentierte Minoritäten oder mehrfach aussergewöhnliche Kinder (Twice Exceptional Students) besonderen Unterstützungsbedarf aufweisen. Hier ist der Erwerb kognitiver Strategien der Informationsverarbeitung, metakognitiver Strategien der Lernprozesssteuerung und motivational-volitionaler Strategien der Selbstregulation bedeutsam, die eine adaptive Lernbegleitung in passenden Lernarrangements im Sinne des Scaffoldings erfordern. Dazu bedarf es einer adäquaten Qualifizierung von (angehenden) Lehrpersonen, wobei fachliche, diagnostische, didaktische und kommunikative Kompetenzen verbunden mit einer potenzialorientierten Haltung erforderlich sind. Auf der Basis dieser Erkenntnisse wurden entsprechende Enrichment- und Professionalisierungsformate zur Schüler- und Schülerinnenförderung und Ausbildung zur Lehrperson am «Internationalen Centrum für Begabungsforschung» entwickelt und evaluiert. Die Befunde zu den individualisierten Enrichmentformaten (z.B. Förder-Förder-Projekte, Lernstrategietrainings) belegen bedeutsame Effekte beim Strategieerwerb und bei der Expertise-Entwicklung begabter Lernender sowie bei der Intervention und Prävention von Underachievement. Die Resultate zu den adaptiven Professionalisierungsformaten zeigen deutliche Qualifizierungseffekte hinsichtlich der Kompetenzentwicklung der (angehenden) Lehrpersonen und der Unterrichtsentwicklung der beteiligten Schulen.

Wann macht eine Diagnose «Hochbegabung» Sinn? Von Chancen und Risiken in der Anwendung eines Modebegriffs

Dr. Letizia Gauck ‒ Leiterin des Zentrums für Entwicklungs- und Persönlichkeitsdiagnostik (ZEPD), Universität Basel
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Diagnosen sind Zuschreibungen, die Vor- und Nachteile haben. Begriffe wie «Hochbegabung» sind unscharf definitiert und lösen unterschiedliche Assoziationen aus, oft auch Vorurteile. Noch schwerwiegender für eine diagnostizierte Person als das mögliche soziale Stigma («Streber») ist es, wenn die Person und/oder ihr Umfeld die «Hochbegabung» als ein unveränderbares Persönlichkeitsmerkmal ansieht, das automatisch zu Erfolg führt («fixed mindset» nach Carol Dweck). Es stellt sich die Frage, in welchen Situationen dennoch die Vorteile einer Diagnose «Hochbegabung» überwiegen können, wie diese Diagnose gestellt und wie sie so kommuniziert werden kann, dass Missverständniss vermieden werden. Im Fokus stehen Menschen, die ihre Potenziale (noch) nicht in Leistung umsetzen können, z.B. weil sie neben grossen Stärken auch deutliche Schwächen aufweisen. Anhand der Literatur zu solch «doppelt auffälligen» Menschen und zu begabten Menschen mit Migrationshintergrund sowie anhand konkreter Fallbeispiele wird diskutiert, welche Formen pädagogisch-psychologischer Diagnostik aktuell bei der Förderung dieser Gruppen helfen können.

Von Neuromythen zu evidenzbasierter Begabungsförderung

Prof. Dr. Roland H. Grabner ‒ Professor für Begabungsforschung, Universität Graz
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Der Einsatz von neurowissenschaftlichen Methoden in der Begabungs- und Lernforschung führte nicht nur zu neuem Wissen über die Funktionsweise unseres Gehirns, sondern auch zur Erkenntnis, dass zahlreiche falsche Vorstellungen hierzu bestehen. Diese Vorstellungen werden als Neuromythen bezeichnet und haben sich in internationalen Studien auch bei Lehrpersonen als weit verbreitet herausgestellt.

In diesem Vortrag werden die ersten Ergebnisse zur Verbreitung von Neuromythen unter Lehramtsstudierenden im deutschsprachigen Raum vorgestellt. Anschliessend werden ausgewählte Neuromythen mit Bezug zur Begabungsförderung vor dem Hintergrund der aktuellen empirischen Befundlage kritisch hinterfragt und durch evidenzbasierte Empfehlungen zur Unterrichtsgestaltung ersetzt.

Erfolgreich mit Misserfolg umgehen - Begabung und Lernen aus Fehlern

Dr. Dominik Gyseler ‒ Dozent, Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik (HfH) Zürich
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«Aus Fehlern wird man klug», sagt der Volksmund. Doch das stimmt nur unter zwei Bedingungen: Erstens müssen die Fehler präzise analysiert werden, um die richtigen Konsequenzen daraus ziehen zu können. Zweitens müssen Kinder und Lehrpersonen einen emotionalen Zugang zu Misserfolgen finden, der eine solche Analyse überhaupt erst möglich macht. Dies erfordert eine gute Beziehung zwischen Kind und Lehrperson, aber auch eine Klassen- und Schulhauskultur, in der Fehler nicht krampfhaft vermieden oder gar verteufelt, sondern aufgegriffen und diskutiert werden. Gerade hochbegabte Kinder und Jugendliche haben in der Regel allerdings wenig Erfahrungen und Kompetenzen, konstruktiv mit Fehlern umzugehen. Je länger aber ihre Schulkarriere verläuft, ohne dass dieses Thema im Unterricht bewusst aufgegriffen wird, desto grösser wird die Gefahr, dass sie diese überfachlichen Fähigkeiten nur noch bruchstückhaft erlernen. Im Erfolgsfall ist der erfolgreiche Umgang mit Misserfolg deshalb ein zentraler Teil der Begabungs- und Begabtenförderung, der darauf abzielt, Kinder und Jugendliche dabei zu unterstützen, ihr Potential auszuschöpfen.

Vom Können des Wollens: Selbstkompetenz, Selbstkonzept und Begabungsentfaltung

Prof. Dr. Julius Kuhl ‒ Professor em. für Begabungsforschung, Forschungsstelle Begabungsförderung im Niedersächsischen Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung
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Vor dem Hintergrund einer funktionsanalytischen Persönlichkeitstheorie (PSI-Theorie) werden die Bedingungen untersucht, die es Schülerinnen und Schülern ermöglichen, ihre Begabungen in Leistung zu übersetzen. Es werden Beispiele gezeigt, wie mit einer auf der PSI-Theorie basierenden Diagnostik begabungsförderlicher Selbstkompetenzen zentrale pädagogische Fragen beantwortet werden können wie zum Beispiel:

  • Wie beeinflussen Selbstkompetenzen die Umsetzung von Begabung in Leistung?
  • Wie können Lehrerinnen und Lehrer das positive Lernverhalten ihrer Kinder und Jugendlichen fördern?
  • Wie beeinflusst ein Lehrer-Schüler-Gespräch über diagnostizierte Selbstkompetenzen der Lernenden deren weitere Entwicklung?

Begabungsförderung bewirkt Chancengerechtigkeit: Personalisiertes Lernen in differenzierten Lernarchitekturen

Prof. Victor Müller-Oppliger ‒ Professor für Pädagogische Psychologie und Didaktik, Leiter MAS Integrative Begabungs- und Begabtenförderung IBBF, Pädagogische Hochschule FHNW
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Chancengerechtigkeit ist ein bildungsdemokratisches Versprechen. Es schliesst die Gleichbehandlung von in ihren Fähigkeiten oder ihrer Herkunft Ungleichen aus. Vielmehr verlangt es nach einer Abkehr von der Fehlannahme, wonach Gerechtigkeit «für alle das Gleiche» bedeute und von einem Unterricht, der sich lediglich an Durchschnittsnormen orientiert.

Die Anerkennung individueller Begabungen, unterschiedlicher soziokultureller Voraussetzungen und dadurch bedingter Ansprüche und Bedürfnisse ruft nach veränderten Bildungskonzepten. Diese sollen die Potenziale aller wahrnehmen (auch unerwartete und verdeckte) und eine optimale Förderung individueller Ressourcen in einer «Schule der Vielfalt und Inklusion» ermöglichen.

Solch ein Bildungsverständnis kombiniert Begabungsförderung im leistungsdifferenzierenden adaptiven Unterricht mit ergänzenden schulinternen Formaten der Begabtenförderung und ausserschulischen Förderangeboten. Der Beitrag begründet eine erweiterte Didaktik für personalisierte Lernprozesse und aufeinander bezogene Förderanlässe. Dies umfasst auch die Flexibilisierung von Unterricht und Bildungsstrukturen, ein individualisiertes Erfassen erweiterter Leistungen und Kompetenzen sowie die überinstitutionelle Zusammenarbeit zwischen Akteuren und Orten der Exzellenzentwicklung in Schulen und über sie hinaus.

Kernelemente sind dabei die Entwicklung von Fähigkeiten der Selbststeuerung und eines realistischen Selbstbewusstseins bei den Lernenden, aber auch die Gestaltung einer demokratischen Schulkultur, in der Begabungen entdeckt und gefördert werden und in der selbstverständlich ist, verschieden zu sein und Unterschiedliches leisten zu können.

Kreativität – Kann man das lernen?

Prof. Dr. Aljoscha Neubauer ‒ Professor für Differentielle Psychologie, Karl-Franzens-Universität Graz
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Der Kreativität und der Innovationskraft wird eine immer grössere Bedeutung für den wirtschaftlichen Erfolg von Volkswirtschaften zugeschrieben. Sie spielen aber auch eine grosse Rolle für die persönliche Lebenszufriedenheit. Die Basis der Kreativität eines Menschen wird in seiner Kindheit und Jugend gelegt. Dabei spielt auch der Umgang mit Kreativität in der Schule eine gewichtige Rolle. Lehrer/innen und Eltern kommt hier eine zentrale Funktion zu. Der Vortrag beleuchtet die jüngere psychologische und neurowissenschaftliche Forschung zu den Fragen:

  • Wovon hängt die Kreativität eines Menschen ab?
  • Welche Rolle spielen hierbei Begabung versus Lernen und Wissen?
  • Welche Rolle spielt die Persönlichkeit eines Menschen?
  • Und wie kann man Kreativität fördern: Individuell und in Gruppen?

Talent Deferred, Talent Lost: The Underachievement of Talented Individuals (and especially Women)

Prof. Dr. Sally M. Reis ‒ Vice Provost, Board of Trustees Distinguished Professor and Teaching Fellow, University of Connecticut, USA
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Underachievement of gifted and talented individuals is one of the most frustrating challenges in our society. What causes high potential individuals to underachieve? Why do so many people fail to achieve at high levels? What interventions work for what types of underachievement? How can we motivate talented individuals to achieve? These and other questions will be explored in this keynote.

 

(Übersetzungen auf Deutsch werden am Vortrag abgegeben).

Talent Deferred, Talent Lost: The Underachievement of Talented Individuals (and especially Women)

Prof. Dr. Sally M. Reis ‒ Vice Provost, Board of Trustees Distinguished Professor and Teaching Fellow, University of Connecticut, USA
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Underachievement of gifted and talented individuals is one of the most frustrating challenges in our society. What causes high potential individuals to underachieve? Why do so many people fail to achieve at high levels? What interventions work for what types of underachievement? How can we motivate talented individuals to achieve? These and other questions will be explored in this keynote.

(Übersetzungen auf Deutsch werden am Vortrag abgegeben).

Developing Creativity Activities For Infusion Into Regular Curriculum Topics

Prof. Dr. Joseph S. Renzulli ‒ Director National Research Center on the Gifted and Talented, University of Connecticut, USA
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The best way for teachers to promote creativity in their students is when the teachers themselves become more creative in their work.  Looking for opportunities to modify the regular curriculum is an excellent way for teachers to (1) become more creative in their own professionalism, and (2) to infuse exciting creative thinking skills into standard or required curricular topics that they regularly cover with their students.  The goal of this workshop is to promote more enjoyment, engagement, and enthusiasm for learning on the parts of both teachers and students.    

In this workshop we will first explore the basic strategies and questioning techniques for developing creativity activities.  Using a “Creative Idea Generator,” teachers will then be asked to work in small groups organized around major subject areas (Math, Reading/Language Arts, Science, Social Studies). Each group will identify one or more standard or required curriculum topic and then apply the basic strategies mentioned above to the development of their own activity.  Handouts listing strategies and open-ended questions will be provided and participants will be given an opportunity to share their creative activities with the group.

Schools For Talent Development: A Comprehensive Plan For Promoting Talents and Giftedness Across The Entire Curriculum

Prof. Dr. Joseph S. Renzulli ‒ Director National Research Center on the Gifted and Talented, University of Connecticut, USA
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The economic, cultural, and social development of nations depends on the creativity and productivity of its most gifted citizens. Developing the gifts and talents of young people is the best way to invest in expanding the reservoir of future scientists, authors, inventors, entrepreneurs, and persons who will contribute to the cultural heritage of a country.

This presentation will provide an overview of a talent development model that is based on over forty years of research and development and that is being used in countless schools in the U.S. and in a number of other nations around the world. Topics include comprehensive strength assessment, modifying the curriculum for high achieving students, using technology to provide enrichment opportunities for all students, and guidelines for providing advanced level creative and investigative activities and projects. Emphasis will be on practical applications and implementation of a talent development model. The theoretical and research aspects of our work will be highlighted by providing several examples of the creative and productive work of students work and descriptions of schools using this plan.

(Übersetzungen auf Deutsch werden am Vortrag abgegeben)

Sind Begabung und Intelligenz erblich?

Prof. Dr. Willi Stadelmann ‒ Ehem. Direktor Pädagogische Hochschule Zentralschweiz
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Seit Jahrzehnten wird in der wissenschaftlichen und populären Literatur über die Vererbung von Begabung und Intelligenz diskutiert. Dazu ist zu bemerken, dass bereits über die Umschreibung der Konstrukte «Begabung» und «Intelligenz» keine Einigkeit herrscht; die Begriffe werden seit je uneinheitlich und unscharf gebraucht und es herrscht ein eigentliches «babylonisches Sprachgewirr». Dazu kommt dass die beiden Begriffe gerade in Kreisen der Lehrerpersonen oft synonym verwendet werden.

Auch in heutigen Lehrbüchern kann man lesen, Intelligenz sei zu 50 bis 80% erblich. Oder, als Resultat von Zwillings- und Adoptionsstudien: «50% der Intelligenzunterschiede zwischen Menschen [wären] genetisch bedingt und je 20% auf geteilte und nicht-geteilte Umwelteinflüsse zurückzuführen (bei 10% Messfehlern…)».

Im Workshop soll der Frage nachgegangen werden, wie es mit der Erblichkeit von Begabung und Intelligenz aus heutiger wissenschaftlicher Sicht steht. Ist es wirklich so, dass Kinder begabt oder intelligent geboren werden? Einbezogen in die Diskussion werden Erkenntnisse aus Pädagogik, Psychologie, kognitiver Neuropsychologie und Biologie (Genetik).

Mentoring – eine optimale Möglichkeit der extracurricularen Begabtenförderung? Forschungsbefunde und Anwendungsmöglichkeiten

Prof. Dr. Heidrun Stöger ‒ Professorin für Schulpädagogik, Universität Regensburg
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Mentoring kann eine der effektivsten Fördermöglichkeiten für (begabte) Schülerinnen und Schüler darstellen. Allerdings zeigen Studien, dass die praktische Umsetzung oft mangelhaft geschieht. Nicht selten führt Mentoring sogar zu negativen Effekten. Im Vortrag werden Forschungsbefunde zu Charakteristika erfolgreichen Mentorings herausgearbeitet. Anschliessend wird am Beispiel eines E-Mentoring-Programms für begabte Schülerinnen in MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) aufgezeigt, wie Begabtenförderung mit Hilfe eines extracurricularen Mentoring-Programms in der Praxis aussehen kann. Hierbei werden unterschiedliche Mentoring-Konzepte und deren Wirksamkeit gegenübergestellt, beispielsweise 1:1-Mentoring versus Gruppen-Mentoring. Abschliessend wird diskutiert, wie Mentoring-Programme in den schulischen Alltag integriert werden können.

Count us in: including the gifted and talented in inclusive education

Dr. Margaret Sutherland ‒ Director of the Scottish Network for Able Pupils, University of Glasgow, Scotland
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How do teachers respond to differences among their pupils? What do teachers need to know in order to respond more effectively to the different differences? What roles should teacher education and continuing lifelong professional learning play in teacher education and development? How can teachers be better prepared to work with gifted and talented learners? This presentation will explore these questions and argue that where inclusive policy and inclusive practice meet, learning can be supported well.  It will contend that knowledgeable and highly qualified teachers bridge the gap between policies and practice best. Using examples from practice it will demonstrate how individual teachers might respond in creative, innovative and enthusiastic ways to create classrooms that include a wide range of learners.  It will conclude by arguing that to meet «sustainable development goal 4 of the United Nations»: - «provide inclusive, quality education and lifelong learning for all by 2030» – we have to include the gifted and talented. Otherwise we count them out, not count them in!

(Übersetzungen auf Deutsch werden am Vortrag abgegeben)

Wenn wir alle dahinter kämen .... wie „Hochbegabte so sind“

Prof. Dr. habil. Thomas Trautmann ‒ Professor für Erziehungswissenschaft unter besonderer Berücksichtigung der Grund-schulpädagogik und Grundschuldidaktik, Universität Hamburg
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Jede Begabungsausprägung ist unverwechselbar und einmalig. In diesem experimentellen Wokshop wollen wir gemeinsam überlegen, mit welchen unterschiedlichen Begabungsvariablen Heranwachsende ausgestattet sein können, um „so“ oder „so“ oder eben „ganz anders“ zu sein. Grundlage unseres Denkens ist das Mikado-Modell, welches zunächst kurz umrissen wird. Danach werden wir gemeinsam externe Zuschreibungen und interne Persönlichkeitsmerkmale betrachten und interpretieren. „Dazwischen“ gibt es Hinweise für Beratung und diagnostische Tipps.

Überflieger, die nicht fliegen - (Hoch-)Begabte zwischen gesellschaftlichen Ansprüchen und aktiver Lebensbewältigung

Prof. Dr. habil. Thomas Trautmann ‒ Professor für Erziehungswissenschaft unter besonderer Berücksichtigung der Grund-schulpädagogik und Grundschuldidaktik, Universität Hamburg
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Eltern und Pädagogen stehen oft glücklich vor Kindern, die ganz besondere Leistung erbringen. Sie agieren jedoch eher ratlos, wenn dies in Domänen geschieht, die nicht schulkompatibel sind. Auch Tests, die unter Umständen eine (Hoch-)Begabung belegen, stellen Lehrpersonen vor viele Fragen. «Was nun?» scheint die häufigste davon zu sein.

Der Vortrag betrachtet zunächst aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive jene Bereiche zwischen «Testung» und dem «schulischen Danach». Anhand biografischer Skizzen werden Kinder und Heranwachsende in ihren Lebenswelten betrachtet und die existierenden Spannungsfelder zwischen Test und alltagsgebundenem Agieren herausgearbeitet. Ein daraus resultierendes Denkmodell für die tägliche pädagogische (und diagnostische) Schul- und Unterrichtspraxis wird ebenso vorgestellt wie eine Reihe konkreter Ideen zur Begabungs- und Begabtenförderung in der Schule.

Herausforderung Heterogenität: Personorientierte Begabungs- und Begabtenförderung als Motor partizipativer Unterrichts- und Schulentwicklung

Prof. Dr. Gabriele Weigand ‒ Professorin für Allgemeine Erziehungswissenschaft und Leiterin des Instituts für Allgemeine und Historische Erziehungswissenschaft, Pädagogischen Hochschule Karlsruhe
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Entgegen der jahrhundertelangen Tradition eines weitgehend auf Homogenisierung beruhenden Bildungswesens wird aktuell die Heterogenität der Schülerinnen und Schüler hervorgehoben. Es wird in der schulischen Praxis gefordert, mit dieser Verschiedenheit adäquat umzugehen. Begabung wird dabei neben anderen Merkmalen wie Geschlecht, Alter oder auch Migration als ein Kriterium herausgegriffen, das es bei Kindern zu berücksichtigen und zu fördern gelte. Lehrpersonen fühlen sich dabei – mit Recht – nicht selten überfordert.

Im ersten Teil des Vortrags wird zunächst die Frage von Homogenität und Heterogenität in Schulen bildungstheoretisch beleuchtet und anschliessend die Herausforderung des Umgangs mit Heterogenität in der täglichen Praxis problematisiert sowie spezifisch für den Bereich der Begabungsförderung erörtert. Dabei wird auch auf die allseits geforderte «individuelle Förderung» eingegangen.

Im zweiten Teil wird unter Einbeziehung eigener Forschungen der Stand der empirischen Forschung zur Frage der separativen, integrativen oder inklusiven Begabungsförderung vorgestellt. Aus den theoretischen Analysen im ersten und den empirischen Erkenntnissen im zweiten Teil werden im dritten Teil Argumente für eine personorientierte Begabungs- und Begabtenförderung vorgetragen, die wiederum ohne eine partizipative Schulentwicklung kaum zu verwirklichen ist. Ergänzend werden empirische Ergebnisse aus einer eigenen qualitativen Interviewstudie mit Lehrpersonen aus Schulen mit Hochbegabtenklassen zur Diskussion gestellt.

Systemische Begabungsförderung - Förderung in sozialen Kontexten

Prof. Drs. Albert Ziegler ‒ Professor für Pädagogische Psychologie, Universität Erlangen-Nürnberg
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Begabungsförderung fokussierte bisland sehr stark das Individuum. Beispielsweise richten sich Massnahmen wie Enrichment oder Pull-out fast ausschließlich auf die Begabten selbst, während eine Verbesserung des sozialen Umfelds oder lernökologische Variablen wenig oder gar keine Beachtung finden. Doch was nutzt etwa eine Interessenförderung für ein bestimmtes Thema, wenn die Begabten danach in ein soziales Umfeld zurückkehren, das weitgehend desinteressiert ist und möglicherweise sogar dem Lernen skeptisch gegenübersteht?

Im Vortrag wird zunächst kurz herausgearbeitet, warum so viele Fördermassnahmen – wie Meta-Analysen belegen – verpuffen, da sie dekontextualisiert durchgeführt werden. Anschliessend werden die Grundzüge einer systemischen Begabtenförderung vorgestellt.